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Mo, 22.08.2016

Perspektivenwechsel einüben

ehemaliger Praktikant Carsten Scher und Pastoralreferentin Sandra Jungbluth nehmen Erfahrungen aus Südafrika mit in die Pfarreien

Die Gruppe in Südafrika

Die Gruppe in Südafrika
Adenauer Land/Kelberg/Lebach – „Das Abenteuer meines Lebens“, sagt Carsten Scher (38), sei die Lern- und Begegnungsreise durch Südafrika gewesen. Es sei ein Land voller Gegensätze, mit einer „großartigen Natur“, aber auch mit Menschen in Armut, die dennoch herzlich und offen seien. „Wir können viel lernen, was das Miteinander angeht.“ Der Kaplan aus der Pfarreiengemeinschaft Adenauer Land ist einer von 13 Seelsorgerinnen und Seelsorgern in Ausbildung im Bistum Trier, die vom 16. Juli bis 2. August durch Südafrika gereist sind. Dort informierten sie sich über lokale Kirchenentwicklung, „Kleine Christliche Gemeinschaften“, eine Form des lebendigen christlichen Lebens und mit Blick auf die bundesweite Eröffnung der Misereor-Fastenaktion 2017 im Bistum Trier über die Ernährungssituation. „Wir wollten mit dieser Art von Lernen die von der Synode vorgeschlagenen Perspektivenwechsel ermöglichen“, sagt Steffen Stutz (54), Leiter der Berufseinführung für zukünftige Pastoralreferentinnen und –referenten. „Das Ziel, Perspektivenwechsel einzuüben, ist gut gelungen.“ Stutz und Andrea Tröster von der Diözesanstelle Weltkirche begleiteten die jungen Seelsorgerinnen und Seelsorger. Die Reise ist ein Kooperationsprojekt der Diözesanstelle Weltkirche und dem Arbeitsbereich "Ausbildung pastoraler Berufe" im Strategiebereich 2.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernten im Bistum Aliwal ein Modell „Kleiner Christlicher Gemeinden“ kennen. In dem Land mit fast 50 Millionen Einwohnern leben über 80 Prozent Christen – doch nur elf Prozent sind Katholiken. Dementsprechend weit sind die Wege. Möglichkeiten, den Glauben zu leben, müssen gefunden werden. Matthias Beer (27), Gemeindeassistent in der Pfarreiengemeinschaft Adenauer Land, war von dem Umgang mit Ehrenamtlichen begeistert: „Sie tragen große Verantwortung als „Leader“ (Leiter) – das fand ich stark.“ Nicht nur beim liturgischen Dienst seien sie präsent. „Sie haben alles im Blick, was im Ort passiert und kümmern sich.“ Auch wenn er beim Workshop mit den Messdienern noch gedacht habe, es sei die gleiche Arbeitsweise wie in der Eifel, gebe es doch Unterschiede. Das sieht auch Astrid Koster so. Die 34-jährige Gemeindeassistentin aus der Pfarreiengemeinschaft Kelberg war bei einem Gottesdienst und sehr überrascht, als knapp 30 Menschen in den Messablauf integriert waren. „Das ist lebendiger und interaktiver mit den vielen Ehrenamtlichen.“ Die Gemeinschaften seien intensiver und auch die Sorge umeinander. „Dort wird im Kleinen geschaut, wo die Bedürfnisse der Menschen sind und gezielt darauf eingegangen.“

Besucht haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer neben zwei Misereor-Projekten zum Thema Ernährung und Urban Gardening auch den Trierer Bistumspriester Stefan Hippler mit seinem Aids-Projekt „HOPE“. Dort helfen, wo die Politik versagt und Dinge anstoßen – das habe ihn sehr beeindruckt, sagt Carsten Scher. Und auch Astrid Koster hat die Not der Menschen geprägt: „Das geht mir immer noch nah.“ Einig waren sich Koster, Beer und Scher darin, dass sich die Eindrücke zunächst einmal setzen müssten. Doch es gebe einige Ansätze, die sie in ihre Arbeit im Bistum Trier miteinbringen könnten, wie zum Beispiel Elemente aus dem Modell der „Kleinen Christlichen Gemeinschaften“. Matthias Beer, der vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit im Adenauer Land tätig ist, möchte einen Schwerpunkt auf das kreative Miteinander legen, dass sich die jungen Leute ausprobieren. „In diese Richtung arbeite ich sowieso schon gerne.“ Koster hat die Reise einen anderen Blickwinkel auf ihre Arbeit gezeigt. „Wir haben in Deutschland schon ein sehr engstirniges Bild von Kirche. Das kann mit solchen Reisen geöffnet werden.“ Die Reisenden sind zurück aus Südafrika, doch das Projekt geht noch weiter. Mit etwas Abstand werden sie sich in zwei weiteren Treffen über ihre Erfahrungen austauschen und miteinander darüber sprechen, wie sich durch die Begegnung mit „dem Fremden“ und „dem Anderen“ während dieser Reise die jeweils eigenen persönlichen Sichtweisen, Einstellungen, Haltungen und Werte verändert haben beziehungsweise sich noch weiter verändern werden. Die Teilnehmer der Reise reflektieren so miteinander, wie sich die Erfahrungen der Reise auf das je eigene seelsorgliche Handeln vor Ort auswirken wird.