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Mi, 07.06.2017

Danke, dass sie noch Ehrenamtler sind

Zur neuen Pfarrei der Zukunft gehören die Pfarreiengemeinschaften Rheinböllen, Simmern und Kirchberg

Zur neuen Pfarrei der Zukunft gehören die Pfarreiengemeinschaften Rheinböllen, Simmern und Kirchberg
… antwortete Weihbischof Jörg Michael Peters auf die Frage, was er einem ehrenamtlich engagierten Mann antworten würde, der kurz zuvor ausdrücklich erklärt hatte, er sei „noch Ehrenamtler“ in seiner bisherigen Pfarrei. Und außerdem habe es schon Gespräche gegeben – und gute Aussicht, dass das Engagement weitergeht.

Überfordert nicht das Ehrenamt! („Da sind Menschen, die für eine Sache brennen – helft, dass sie nicht ausbrennen!“) Wer begleitet die Menschen, die sich engagieren – und wer findet neue Charismen und bietet ihnen welche Aufgaben an: Fragen rund um das ehrenamtliche Engagement in den Pfarreien der Zukunft bildeten einen Schwerpunkt des Resonanz-Treffens mit Bischof Stephan in Simmern am 1. Juni. Der Bischof selbst hofft, dass die Pfarrei der Zukunft auch neue Ehrenamtliche anziehen wird – und rät zu Realismus: Es kann aber auch passieren, dass eine Aufgabe zu Ende kommt, weil niemand sie tun kann oder will.

Rote Fäden: Inhalt wichtiger als Struktur

Aus dem Abstand einiger Tage wird klarer, dass die Veranstaltung in Simmern noch zwei weitere rote Fäden hatte: Einerseits betonten Bischof Stephan wie etwa auch Dechant Clemens Grünebach, dass es eigentlich nicht um Strukturfragen zu gehen hat. Wichtig sei der Synode und ihnen selbst, wie Christsein auch in der heutigen Gesellschaft gelebt und weitergegeben werden kann – und dass die Struktur-Fragen wichtig, aber eigentlich doch sehr relativ sind.

Bischof Stephan gab so etwas ab wie eine Selbstverpflichtungs-Erklärung: Er werde sehr genau darauf achten, dass andere Themen der Synode nicht verschwinden hinter den Strukturfragen: Dass wir diakonisch Kirche sein wollen; dass wir die Katechese ganz neu aufstellen wollen – und dass wir synodal Kirche sein wollen.


Auch Inhalte brauchen natürlich Strukturen, um „in Form“ zu bleiben. Und natürlich gab es Kritik an Teilen der konkret vorgeschlagenen neuen Raumstruktur der geplanten Pfarreien der Zukunft. Besonders aus der Pfarrei der Zukunft „Oberwesel“ gab es Hinweise – und auch aus der Pfarreiengemeinschaft Rupertsberg. Dort sei gerade ein guter Prozess im Gange, dass die Gemeinden zusammenwachsen – das solle doch bitte nicht gestoppt und die Pfarreiengemeinschaft zwei verschiedenen Pfarreien der Zukunft zugeteilt werden.

... und: "Pfarrei" unterscheiden von "kirchlicher Ort" und "Gemeinde"

Hilfreich sollte ein zweiter roter Faden des Abends sein: Deutlicher zu unterscheiden zwischen der Pfarrei (eben vor allem als Struktur-, Verwaltungs- und Service-Einheit) und dem, was seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts „Gemeinde“ oder „Pfarrgemeinde“ genannt wurde. Heimat finden die Christenmenschen in solchen Gruppierungen oder eben „Gemeinden“, die schon immer in großer Zahl in den Pfarreien zu finden sind. Vielleicht muss nur noch klarer werden, dass diese Orte von Kirche oder Kirchorte (so nennt die Synode sie) auch weiterhin das Feld sein werden, in dem Ehrenamtliche und hauptamtlich Engagierte miteinander ihre eigene Mission und ihre Formen von Nächstenliebe leben und weiter entwickeln und gottesdienstlich feiern; das könnte die Befürchtungen mildern, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen könnten sich in den „großen Räumen“ verloren vorkommen.


Kooperation und Vernetzung: zwei Beispiele

Gute Beispiele für neue Kooperations- oder Vernetzungs-Formen brachten zwei Projekte aus der Region Hunsrück ein: In der Jugendkirche „Crossport to Heaven“ auf dem Flughafen Hahn: Jugendliche lassen dort ihre eigene Form von Gottesdienst und Glaubensgespräch und gesellschaftlichem Engagement auch heute schon über Pfarreien-Grenzen hinweg wachsen. Und im „willkommensnetz“ im Rhein-Hunsrück-Kreis zeigt sich, wie Menschen und Einrichtungen sich in größeren Räumen leichter als in der kleinteiligen Pfarrei zu einem gesellschaftlichen Thema zusammenfinden und effektiv für andere Menschen arbeiten können.

Alles sehr spannend – und da war es kein Wunder, dass der Abend eine halbe Stunde länger dauerte als eigentlich geplant!