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Fr, 22.09.2017

Offen und mit deutlichen Worten

200 Menschen kommen zu Infoveranstaltung zur Vermögensverwaltung nach Simmern

Trier – Offen und mit deutlichen Worten haben einige der rund 200 Frauen und Männer Kritik und Bedenken zur geplanten Vermögensverwaltung in den Pfarreien der Zukunft bei einer Veranstaltung am 14. September vorgebracht. Der Trierer Generalvikar Dr. Ulrich von Plettenberg und die für die Finanzen verantwortliche Direktorin im Generalvikariat, Kirsten Straus, hatten nach Simmern eingeladen. Im Juni hatte die Bistumsleitung die strategische Vorentscheidung getroffen, dass es für jede Pfarrei der Zukunft auch eine Kirchengemeinde der Zukunft geben soll.

Dass ortsnahe Entscheidungen „geopfert“ würden, dass die ehrenamtlichen Verwaltungsräte in den großen Räumen zu Einzelkämpfern würden und es dadurch letztlich zum Verlust von ehrenamtlichen Engagement komme, benannte ein Verwaltungsrat unter dem Beifall der Anwesenden eine Sorge. Fragen nach den Entscheidungsstrukturen – vor Ort oder auf Ebene des Bistums – wurden ebenso thematisiert wie Bedenken, ob die Verwaltung in so großen Räumen funktionieren könne. Und auch ganz konkret wurde gefragt, was bei einer Übertragung von Vermögen in die Kirchengemeinde der Zukunft mit nicht zweckgebundenem, freiem Vermögen passiere.

Vor den Wortmeldungen der Anwesenden hatte Dr. Gundo Lames, Mitglied der Steuerungsgruppe der Synodenumsetzung, bereits die Rückmeldungen und Kritiken vorgestellt, die über den Sommer beim Bistum eingegangen sind.

Die Gegenwart mit der Zukunft aushandeln

Einige Bedenken konnte Finanzchefin Straus entkräften. In der Pfarrei der Zukunft werde es möglich sein, Verantwortung vor Ort wahrzunehmen – und das umfasse auch die Verantwortung für die Finanzen: „Wenn eine Gruppe funktioniert, sich selbst gut verwaltet: Warum sollten wir ihr dann ihre Kasse wegnehmen?“ Wer sich engagiere, müsse sich fragen „Woran hängt mein Herz?“ und sich dann entweder auf der Ebene der Gesamtpfarrei einbringen oder in kleinerem Rahmen, etwa in der Pflege eines Kirchengebäudes.

Straus zeigte die Schritte auf, die zu gehen sind. Zunächst müsse jede bestehende Kirchengemeinde klären, was zu ihrem Vermögen gehöre, wie es genutzt werde und in welchem Zustand es sei. Dann gelte es zu unterscheiden: „Was ist belastet? Was kann in der Kirchengemeinde der Zukunft aufgehen ohne Bedingungen? Was soll erhalten bleiben oder zu bestimmten Zwecken verwendet werden?“ Im dritten Schritt gehe es dann um die Ausstattung der Kirchengemeinde der Zukunft. Hier müssten alle „Teilhaber“ gemeinsam beraten und „die Gegenwart mit der Zukunft aushandeln“. Das sei eine „hoch anspruchsvolle Aufgabe“, gab die Finanzexpertin zu und betonte, dass die Verwaltungsräte damit nicht allein gelassen werden, sondern Unterstützung vom Bistum und weiteren Experten erhalten.

Immer wieder kam Kirsten Straus zurück auf die Frage, was im Sinne der Synode sei und der Umsetzung dient: Natürlich seien die Sympathien für den Ansatz A – Erhalt der derzeitigen Kirchengemeinden – größer. „Aber: „Schon heute sind viele Kirchengemeinden und ihre Räte erschöpft, finanziell und inhaltlich.“ Immer wieder käme es dann zu Fusionen aus einer Schwäche heraus, und die Pfarreien der Zukunft kämen nicht zur Ruhe. Die Finanzdirektorin warb um Verständnis für ein beteiligungsorientiertes Vorgehen. Derzeit seien sogenannte Teilprozessgruppen am Arbeiten, deren Ergebnisse Einfluss hätten auf die Vermögensverwaltung: „Wir können und dürfen dieser Arbeit nicht vorgreifen.“ Und sie betonte, warum es nötig ist, jetzt die Vermögensverwaltung zu klären: „Wenn wir warten, werden finanzielle Zwänge unseren Spielraum einschränken.“ Es sei besser, jetzt tätig zu werden, „um selbstbestimmt in die Zukunft zu kommen“.

Wozu sind wir Kirche?

Generalvikar von Plettenberg ordnete die Vermögensfrage in das Gesamtbild der Synodenumsetzung ein: Die Synode habe nach dem Auftrag der Kirche gefragt und „Wozu sind wir Kirche?“ Zwei Grundrichtungen hätten sich gezeigt: missionarisch zu sein, nah bei den Menschen und ihren Themen; und diakonisch zu sein, also sich für die Bedürfnisse der Menschen zu interessieren. Vermögen, Grundstücke, Immobilien oder Personal – das alles sei kein Selbstzweck, sondern diene „dem großen Ganzen“ und müsse in den Auftrag eingeordnet werden. Für das Bistum gleichermaßen wie für die Verwaltungsräte gelte es, verantwortungsvoll mit diesen Ressourcen umzugehen, „als wäre es mein eigenes Vermögen, und im christlichen Sinn, also im Auftrag der Kirche, damit sie Gutes tun kann“. Er hoffe auf die Ausrichtung auf dieses gemeinsame Ziel. „Wir wollen das kirchliche Leben vor Ort erhalten und verlebendigen – dafür brauchen wir Sie.“

Plettenberg erläuterte, die Frage der Vermögensverwaltung sei derzeit in der nicht formalen Phase, in der die Bistumsleitung informieren, diskutieren und Vertrauen wecken wolle. Er sagte den Verwaltungsräten zu, dass es nach dem Abschluss der Infoveranstaltungen eine Dokumentation der Informationen geben werde, auf deren Grundlage dann auch vor Ort diskutiert werden könne. Wenn weitere Einzelheiten feststünden, beginne das formale Verfahren. Er sei sich bewusst, dass nicht alle Fragen zufriedenstellend beantwortet worden seien. „Aber wir haben alle Karten auf den Tisch gelegt.“ Synode bedeute „gemeinsamer Weg“. „Wir wollen und können nicht ohne Sie diesen Weg gehen“, betonte er und versprach, die Rückmeldungen und Bedenken zu berücksichtigen.

Alle Informationen rund um die Umsetzung der Synode sind unter www.herausgerufen.bistum-trier.de zu finden.