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Die Waldkapelle

Die Fatima-Waldkapelle im Wald von Kisselbach

Die Fatima-Waldkapelle im Wald von Kisselbach
Aus kleinen Anfängen entstand im Laufe der Jahre am Waldrand von Kisselbach eine Gnadenstätte, das Marienheiligtum der Waldkapelle. Am Ende des Zweiten Weltkrieges hat ein Soldat an einer Buche am Waldrand von Kisselbach ein kleines Marienbild angeheftet mit der Unterschrift: Maria hat mir auf wundersame Weise geholfen. Er wollte mit diesen wenigen Worten seine Dankbarkeit gegenüber der Gottesmutter zum Ausdruck bringen.

Seit dieser Zeit pilgerten Sonntag für Sonntag viele Gläubige von Kisselbach und der Umgebung zu dem Marienbild, um in den schweren Zeiten nach dem Kriege für die Gefallenen, Vermissten und deren Angehörige zu beten.

Bei der Markusprozession 1946 wurde das Marienbild kirchlich gesegnet. Die Kniebank vor dem Bilde ließ Felix Keßler aus Kisselbach anfertigen und den Kerzenleuchter Josef Hofrath aus Rayerschied. Pastor Gregor Csoti trug sich mit dem Gedanken, an dieser Stelle ein Marienheiligtum zu errichten.

Am 08.12.1953, bei Beginn eines marianischen Jahres, teilte er seine Absicht der Kirchengemeinde mit. Der Erfolg war erstaunlich. Die Zivilgemeinde schenkte der Kirchengemeinde das Grundstück in Größe von 5,04 ar, die Gläubigen spendeten innerhalb von zwei Monaten den Betrag von über 5.000,00 DM.

Die Leitung der Bauarbeiten übernahm Bauunternehmer Külzer aus Steinbach. Die Statue der Gottesmutter wurde von der Firma Mettler aus Morbach gefertigt. Fleißige Handwerker und Künstler haben im Frühjahr die kleine Marienkapelle und die Marienfigur gefertigt. So konnte das Marienheiligtum am Feste Christi Himmelfahrt, am 27.05.1954 eingeweiht werden.

Die Weihe der kleinen Marienkapelle gestaltete sich zu einer erhebenden Kundgebung. Rund 2.000 Gläubige nahmen an der Feier teil. Um 14.00 Uhr versammelten sie sich vor der Kirche in Kisselbach und zogen betend die Höhe hinan. Auf einem blumengeschmückten Wagen wurde die Fatima-Madonna zum neu errichteten Heiligtum geführt. Der Prozessionsweg war mit Birkengrün und Fähnchen geschmückt. Zwei Mariengedichte, der Klerikerchor von Ravengiersburg und der Kirchenchor von Kisselbach unter ihrem Dirigenten Peter Schorn begrüßten die Madonna. Dechant Hart von Simmern nahm die Weihe von Statue und Kapelle vor, er mahnte daraufhin zu tätiger Marienverehrung. Pater Alois Schäfer aus Steinbach hielt eine tiefempfundene Festpredigt zum Preise der Gottesmutter. Nach Gebet und gemeinsamen Gesang endete die Feier.

Im Anschluss an die Weihe versammelten sich die geladenen Gäste im Saal des Gemeindehauses zu einer gemütlichen Kaffeestunde. Pastor Csoti hatte hier die Gelegenheit den auswärtigen Gästen seinen Dank auszusprechen, besonders Dechant Hart, Landrat Grüngerich, Kreisbaumeister Peitz, Amtsoberinspektor Hammes und Postmeister Donsbach, die durch ihre Anwesenheit ihre Verbundenheit zum Ausdruck brachten.

Es wurde bei dieser Gelegenheit auch der Gedanke ausgesprochen: Die Waldkapelle stehe an einem alten Grenzpunkt. Wie die ehemaligen Grenzen heute keine Bedeutung mehr haben, so möge durch die Fürsprache von Maria als Friedenskönigin die trennenden Grenzen zwischen den Konfessionen auch jene innerhalb unseres Vaterlandes und Europas einmal überwunden werden und den Völkern ein dauerhafter Frieden geschenkt werden.

Am 13.09. des gleichen Jahres hat Pastor Csoti anlässlich einer Prozession zur Waldkapelle in einem besonderen Weiheakt die Pfarrei unter dem Schutz der Gottesmutter gestellt. Damit der Weiheakt stets in Erinnerung bleibt, seien die Gedanken des Weihegebetes hier verzeichnet. Sie lauten:

Heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria!

– In kindlicher Freude und Dankbarkeit hat sich heute unsere Pfarrgemeinde versammelt

–Sie will sich dir in feierlicher Stunde weihen

–Wir weihen dir unsere Habe

-Die Häuser und die Felder

–  Die Arbeit und die Früchte

–Wir weihen dir die Reinheit unserer Jugend

–Wir weihen dir den Glauben unserer Männer

–Wir weihen dir den Opfergeist unserer Frauen und Männer

–Wir weihen dir unser Beten und Arbeiten

–Wir weihen dir die Kranken, die Alten, die Leidgeprüften und unsere Vermissten

–Wir weihen dir unsere Verstorbenen und Gefallenen

–Wir weihen und empfehlen dir alle, die bald den letzten Kampf kämpfen

–Lasse sie in deiner Gnade heimkommen in Gottes Vaterhaus

–Lass keinen von uns verloren gehen

–Gib, dass wir uns alle einmal dort oben wiedersehen

–Bei dir, der Mutter der Barmherzigkeit

–In der Anschauung des Dreifaltigen Gottes

–Durch Christus unseren Herrn. Amen.


Seit der Weihe des Heiligtums wird während des Sommers am 13. Des jeweiligen Monats eine Lichterprozession mit Predigt und Andacht an der Kapelle gehalten. Hunderte von Gläubigen aus der näheren und weiteren Umgebung nehmen daran teil, im Oktober 1954 waren es 3.000.

Am 08.05.1955 wallfahrtete die Dekanatsjugend des Dekanats Simmern dorthin unter großer Beteiligung der Jungen und Mädchen.

Am 14.09.1958, dem Feste Kreuzerhöhung, wurde nahe der Kapelle ein Kreuz errichtet und geweiht. Familie Schmitt aus Riegenroth hat es gestiftet. Die Lichterprozession am 13.10. des Jahres war besonders feierlich und wies eine große Beteiligung auf.

Am Sonntag, 13.05.1984, feierte man den 30. Jahrestag der Kapellenweihe. Trotz des nasskalten Wetters nahmen viele an der Wallfahrt teil und hielten eine Betstunde für den Frieden. Der frühere Pastor Csoti erinnerte in seiner Predigt an die Entstehung der Kapelle.

An der Lichterprozession am 13.06.1986 nahm Bischof Dr. Hermann-Josef Spital teil, er hielt bei dieser Gelegenheit auch die Predigt. Der Musikverein Liebshausen und der Kirchenchor Kisselbach haben die damalige Feier mitgestaltet.

Anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Waldkapelle am 13.05.2004 nahm der damalige Bischof von Trier Dr. Reinhard Marx an der Lichterprozession teil.
(Bericht Rhein-Hunsrück-Zeitung)

Nur einige Höhepunkte und Ereignisse konnten hier nachgezeichnet werden, was menschlicher Wahrnehmung versagt bleibt sind Segen, Trost und Hilfe, die in den vergangenen Jahren von dieser Stätte durch die Fürsprache der Gottesmutter ausgingen. Mögen die vorliegenden Zeilen dazu beitragen, das Bewusstsein dafür auch für die kommenden Zeiten lebendig zu erhalten.



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