Webangebot der Pfarreiengemeinschaft St. Erasmus (Rheinböllen)


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Pfarreiengemeinschaft Rheinböllen

Nahe an Gott ... Nahe an den Menschen

Liebe Mitchristen,

am Dienstag, 15. Mai 2018, erreichte mich folgende E-mail aus dem Pfarrbüro:

"Hallo Pastor Schneider, für den neuen Pfarrbrief fehlt uns noch ein kurzer Leitartikel. Vielleicht möchten Sie diesen Artikel schreiben, denn mit Erscheinungsdatum des Pfarrbriefs sind Sie ja schon hier….“

Was schreiben?, habe ich gedacht. Du kennst ja erst wenige Menschen. Die Situation in den Orten der Pfarreiengemeinschaft ist dir noch fremd. Was erwarten die Menschen eigentlich von dir? Andererseits: die Synodenumsetzung kommt. Und darauf möchte ich mich auch einlassen, auch wenn ich vieles noch nicht weiß und im Dunkel liegt.

Mir ist dann eine Predigt in den Sinn gekommen, die ich bei meiner Einführung als Pfarrer 1997 in der Kirche in Windesheim gehalten habe. Auszüge daraus stelle ich hier vor:

„Nach Karfreitag und Ostern sitzen die Jünger erstmal verängstigt und verwirrt da, so erzählen die Evangelisten. Sie wissen nicht, wie es nun weitergehen soll, da Jesus nun nicht mehr unter ihnen ist. Sie brauchen noch eine ganze Weile, um zu begreifen, dass Jesus, als der gute Hirt, einen erwachsenen Jünger in ganz anderer Weise geleiten will als ein kleines unerfahrenes Kind.

Eine Gottesbeziehung wird in einer jüdischen Legende beschrieben. In einem kleinen Dorf am Fluss ist Überschwemmung. Als das Wasser das Haus des Rabbiners erreicht, kommt der Gemeindevorstand zum Rabbi: ‚Rabbi, ihr müsst hier weg, das Wasser steigt.‘ Der Rabbiner lehnt ab. ‚Gott wird helfen.‘ ist seine Antwort. Als das Wasser kurz darauf durch die Fenster ins Haus stürzt, kommen ein paar Schüler des Rabbi in einem Boot angefahren.‚Rabbi, ihr müsst hier weg, das Wasser steigt.‘ Der Rabbiner lehnt wieder ab. Das Wasser hat schließlich das Haus überflutet, der Rabbi sitzt auf dem Dach und schaut betend zum Himmel. Ein Hubschrauber fliegt heran, eine Strickleiter fällt herunter, der Pilot schreit: ‚Rabbi, ihr müsst hier weg, das Wasser steigt und steigt.' Der Rabbiner lehnt ab: ‚Gott wird helfen. ‘ Es dauert nicht lange, und der Rabbiner kommt in den Himmel. Er ist wütend und lässt sich sofort vor Gott führen. ‚Ich habe immer nach deinem Wort gelebt‘, schimpft er, ‚ich war immer dein treuer Diener, und wie hast du es mir gedankt ?!‘ Da schaut Gott ihn mitleidig an und sagt: ‚Ich habe dir den Gemeindevorstand geschickt, ich habe dir das Boot geschickt, und ich habe dir den Hubschrauber geschickt. Was hätte ich denn noch tun sollen?‘

Die Stimme des guten Hirten ist zu hören, so versichert uns diese Geschichte. Vielleicht nur ganz anders, als wir uns das vorstellen. Sie ist da, wo wir zum Leben gerufen werden, mitten in den alltäglichen Dingen und Aufgaben, mitten unter Wölfen und Schafen. Es kann die Stimme eines Mitmenschen sein, oder ein Bild oder eine Zeitungsnotiz. Oder vielleicht auch einmal meine oder ihre Stimme für einen anderen. Die Alternative entweder nur Schaf oder nur Hirte besteht jedenfalls so nicht mehr. Seit die Stimme des guten Hirten uns alle ruft auf den Weg, den er uns vorausgegangen ist. Hin zu Verantwortung für einander und für unsere Welt, hin zum wahrhaften Leben. Dazu helfe uns Gott. Amen.“

Seien Sie herzlich gegrüßt

Thomas Schneider